Mit ca. 15.000 Teilnehmern (nach offizieller Zählung) wurde das Niveau des Vorjahres wiederholt. In dem Bericht des SWR ist bezüglich der Teilnehmerzahl nur von „Tausenden“ die Rede, was den Eindruck erweckt, als wären es weniger als zehntausend gewesen.
Die Teilnehmer verteilten sich auf eine Reihe von großen Blöcken. Zu nennen wären mit Blick auf einen „festen“ organisatorischen Hintergrund Parteien: Die LINKE, BSW und DKP. Des Weiteren ein sehr starker Jugendblock u. a. mit der SDAJ, DIDF und gewerkschaftliche Initiativen vor allem seitens ver.di. Stark präsent auch: pax christi.
Bericht des SWR: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/friedensdemos-tag-der-deutschen-einheit-100.html
Dieser findet sich inhaltlich identisch auch bei tagesschau.de unter https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-tausende-menschen-demonstrieren-in-stuttgart-fuer-abruestung-100.html
Ein Bericht der Stuttgarter Zeitung liegt leider hinter einer Bezahlschranke.
Die ZEIT berichtete durch Übernahme einer dpa-Meldung, mit Betonung auf den Zwischenfall – siehe unten:
https://www.zeit.de/news/2026-10/04/zwischenfall-bei-friedens-demo-vermummte-gegen-bsw-rednerin
Nach musikalischer Begrüßung durch das„kleine Blues-Orchester Playtime“ eröffneten Ronja Fröhlich und Leo (Bündnis gegen Wehrpflicht) gefolgt von Michael Quetting (ver.di – als Redner auf der Bühne im obigen Bilder-Karussell) und moderiert von Leyla Bouyedda, Heike Hänsel und Wiltrud Rösch-Metzler den Reigen der Redebeiträge. Weiterhin sprachen im ersten Block vor dem Start des Demonstationszuges Özlem Demirel (DIE LINKE) und der Betriebsseelsorger und Autor Paul Schobel (pax christi). Zwischen den Redebeiträgen gab es Musik von Toba Borke (Freestyle-Rapper), aber auch Video-Grußworte von Margot Käßmann, Klaus Zwickel (ehem Vorsitzender IGM) und Sophie Bolt (Friedensbewegung GB).
Während des gesamten Demozuges wurden die Passanten vom Führungsfahrzeug aus mit Durchsagen über Inhalte und Ziele der Demonstration informiert.
Mit zeitlicher Verzögerung konnte der zweite Kundgebungsteil auf dem Schlossplatz mit einem Grußwort des wegen seiner journalistischen Tätigkeit unter Sanktionen stehenden Hüseyin Doğru beginnen.
Was Teilnehmer und Demoleitung in der Friedensbewegung noch nie erlebt hatten, war dann ein Zwischenfall der besonderen Art:
Unter den Teilnehmern war ein sich als „Antifa“ darstellender Block mit etwas mehr als 20 Jugendlichen. Diese machten sich bei Beginn der Rede von Sevim Dağdelen – die auch als BSW-Vertreterin auftrat – mit lautstarken Zwischenrufen bemerkbar, darunter ironischerweise auch „Hoch die internationale Solidarität!“. Sevim behielt auf der Bühne Nervenstärke und stimmte kurz mit ein.
Was dann aber folgte, war dramatisch. Mehrere Vermummte aus diesem „Schwarzen Block“ versuchten die Bühne zu stürmen und verursachten zunächst ein Handgemenge mit der Demoleitung. Die hinter der Bühne anwesende Bereitschaftspolizei war schnell zur Stelle und überwältigte mindestens zwei Personen, die anschließend abgeführt wurden. Gegen weitere Jugendliche wurde bei dem Versuch, die Bühne zu stürmen, von der Polizei Pfefferspray eingesetzt. Betroffen war davon aber auch die Demoleitung. Darauf wies Dieter Lachenmeyer als verantwortlicher Veranstaltungsleiter von der Bühne aus hin. Er kritisierte den Einsatz der Polizei als überflüssig und forderte sie auf, den Kernbereich des Kundgebungsplatzes für eine ungestörte Fortsetzung unverzüglich zu verlassen.
Derzeit in den sogenannte Social Media kursierende Rechtfertigung können wir nicht nachvollziehen. Aus unserer Sicht war es eine politisch äußerst dumme Störung, die genau die Bilder erzeugte, die die herrschenden Medien gerne aufgreifen, insbesondere wenn es um Protest gegen ihre Kriegsvorbereitungen und Kriege geht.
Das Verhalten der Polizei muss wegen der Vorgeschichte und dem Ablauf des Einsatzes als fragwürdig bezeichnet werden. Offenbar war die Störtruppe der Polizei bekannt und bereits frühzeitig identifiziert. Das geht aus der Beobachtung eines Demo-Teilnehmers hervor, der entsprechende Wortfetzen von Polizisten bezeugt hat. Auffällig ist, dass nahezu zeitgleich mit dem versuchten Bühnensturm zwei berittene Polizisten seitlich hinter der Bühne auftauchten – gefolgt von fünf weiteren. Bei erfahrenen Mitgliedern der Organisatoren tauchte schnell die Frage auf: Hat man auf warnende Hinweise an die Demoleitung verzichtet und diese Stör-Provokation gar bewusst „laufen lassen“?
Sevim Dağdelen konnte nach kurzer Unterbrechung ihre Rede fortsetzen. Man kann ja unseres Erachtens in der politischen Bewertung des BSW total konträrer Meinung sein, aber Sevim ist für uns eine nicht nur „untadelige“, sondern äußerst engagierte Kämpferin getreu dem Schwur von Buchenwald gegen Faschismus und Krieg. Genau aus dieser Haltung heraus hat sie die in Sachen Kriegsvorbereitungen immer wieder schwankende Linkspartei verlassen. Ihr Redebeitrag war zielgerichtet zum Motto der Veranstaltung, wie so oft scharf pointiert. Er bekam sehr großen Applaus. Die anfangs noch lautstarken Zwischenrufe aus dem „Schwarzen Block“ verstummten bald mit den weiteren Redebeiträgen von Jules El-Khatib (Deutsch-Palästinensische Gesellschaft) und Mark Ellman (DKP, GEW BY). Als Reinhard Frankl (GEW Aschaffenburg) seine Abschlusslieder zum Mitsingen anstimmte, hatte sich dankenswerterweise auch die Polizei aus dem Kernbereich des Veranstaltungsgeländes zurückgezogen.
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